Als der Besuch beim Amt zum Horrortrip wurde

Manche Dinge lassen sich zwar aufschieben, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, da muss man es erledigen – auch, wenn Kinder dabei sind. Wie zum Beispiel die Verlängerung des Kinderreisepasses beim Kreisverwaltungsreferat in München…

Ein kleiner Tipp von mir vorab: Tut es nicht! Zumindest nicht so wie ich! Daher heute wieder: „Nicht zur Nachahmung empfohlen!“

Der Ausweis war in den Sommerferien abgelaufen und wir (Quasselstrippe (damals noch 6), Trotzki (4) und ich) mussten uns also dieser Herausforderung notgedrungen stellen. Ich war eigentlich guter Dinge, weil ich wusste, dass man als Mutter mit Kindern beim KVR eine spezielle Nummer am Infostand bekommt und diese Nummer innerhalb von 5 Minuten aufgerufen wird.

Das ist mal kinderfreundlicher Service! Da haben die vom Amt mal mitgedacht! Bravo!

Ha! Ich war ja sowas von naiv! Wie konnte ich nur annehmen, dass man eine so gute Idee weiterhin beibehält. Vermutlich hatte sich irgendwer beschwert, dass Eltern mit Kindern bevorzugt werden.

Ich will nichts vorweg nehmen, aber dieser Besuch beim KVR verlief alles andere als „gut“. Er wurde zu einem der schrecklichsten Erlebnissen mit meinen Kindern überhaupt.

Gemeinsam mit den Jungs ging ich also noch völlig ahnungslos ins KVR:

„Es dauert nicht lang, Kinder. Wir kommen gleich dran!“ Ich war ja so naiv…. Vor Ort meinte der freundliche Service-Mitarbeiter: „Nein, so eine Nummer gibt es nicht mehr. Sie brauchen jetzt einen Termin.“

„Oh… ach so, das wusste ich nicht….“, meinte ich etwas irritiert.

„Der nächste Termin ist um 11:45 Uhr frei.“ Es war gerade mal 9:30 Uhr, aber gut, was sollte ich tun. Wir brauchten den neuen Kinderreisepass einfach. Die zwei Stunden würden wir im Einkaufszentrum nebenan irgendwie rumkriegen.

„Ja, gut, dann nehme ich den Termin um 11:45 Uhr. Wir müssen dann auch nicht warten, oder?“

„Nein, natürlich nicht.“ Manche Menschen können so professionell lügen, das glaubt ihr gar nicht!

Die zwei Stunden im Einkaufszentrum gestaltete ich absichtlich sehr kinderaffin: Lego-Shop, das kleine Kinderparadies mit Ritterburg und Pizza-Essen. Die Stimmung war gut und ausgelassen. Bei dem schönen Wetter gingen wir schließlich nach draußen auf den großen Platz, dort amüsierten sich die Kinder noch am Springbrunnen. Eingelassene Wasserdüsen im Boden, die abwechselnd und unberechenbar nach oben spritzten – doch genau diese Unberechenbarkeit machte den Reiz aus für meine Kinder. Trifft mich das Wasser oder bin ich flinker als der Wasserstrahl? Und genau da begann schon das Drama. Vielleicht war die Folgsamkeit der Kinder für den Tag auch einfach schon ausgeschöpft. Quasselstrippe fing jedenfalls plötzlich an, genau das Gegenteil von dem zu tun, was ich sagte.

„Pass auf, Quasselstrippe, wenn dich das Wasser erwischt, dann bist du nass. Ich hab keine Ersatzklamotten dabei.“ Aber er hat nur gelacht und ist noch riskanter durch den Wasserstrahl gelaufen. Es vergingen höchstens 5 Minuten, dann *platsch*! Da hatte es ihn erwischt, die komplette Hose nass. Selber Schuld. Es war 11:30 Uhr.

„Bäh, ich bin total nass Mama. Hast du was anderes zum Anziehen dabei?“

*seufz* (genervt) „Mei, das war jetzt echt blöd… Nein, hab ich nicht, hab ich doch gerade gesagt, du solltest aufpassen.“

„Aber ich bin jetzt nass…“

„Mei, das trocknet schon wieder, es ist ja warm… Wir müssen jetzt eh ins KVR und deinen neuen Ausweis machen lassen. Das geht ganz schnell. Und dann fahren wir heim.“

„Aber ich will nicht, ich bin total nass…“

Im KVR…

Gut, wir waren vielleicht 7 Minuten zu früh dran, aber hey, was sind schon 7 Minuten? Ich bin ja freiwillig 7 Minuten zu früh da gewesen. Das KVR war komplett voll, wir haben gerade noch 2 Sitzplätze ergattert. Warum ist es hier so voll, wenn die doch extra Termine vergeben?

„Wie lang dauert’s noch, Mama?“

„Nicht mehr lang, schau, wenn der Zeiger genau nach links zeigt, dann kommen wir dran.“

(kurze Pause) „Mama der Zeiger zeigt genau nach links.“

„Hm, ja, dann kommen wir bestimmt gleich dran.“

„Mama, mir ist langweilig und meine Hose ist so nass.“ Wenn Quasselstrippe keine Lust zu etwas hat, dann beginnt er seine Körperspannung zu verlieren. So als wäre er eine labberige Dummie-Puppe. Ich kann das nicht leiden, das sieht doof aus. Quasselstrippe rutscht labberig gelangweilt vom Stuhl herunter, halb kniet er auf dem Boden, halb hängt er am Stuhl. Schrecklich! Ich hasse das! In mir kocht eine ungute Ungeduld hoch.

„Jetzt reiß dich mal zusammen! Setz dich wieder hin! Nicht auf dem dreckigen Boden rumrutschen!… Wir kommen sicher gleich dran.“ Die Leute gucken schon komisch, ich tue so, als würde ich sie nicht bemerken. Mir läuft der Schweiß am Rücken runter.

Bisher hatte sich Trotzki sehr zurückgehalten, worüber ich auch sehr froh war. Doch plötzlich ergriff ihn das Langeweile-Plärr-Monster.

„LALAAAAALAAA!!! LAAAAAAAAAAAAAA!!“

„Trotzki, jetzt sei doch bitte still!!“

„LAAAAA!!LAALAAALAAAA!“

(sauer / halblaut / aber jeder hat’s trotzdem gehört) „Trotzki! Das ist doch viel zu laut! …Und setz dich jetzt mal hin, komm her auf meinen Schoß. Jetzt seid mal brav! BEIDE!!“

Die Leute gucken wieder / immer noch. Wir unterhalten die Leute. Sonst gibt es ja hier nichts, was man Unterhaltung nennen könnte!!! Da waren auch andere Kinder, kleine Babys in Buggys. Aber die verhielten sich erstaunlich ruhig. WARUM? Warum MEINE Kinder??? Warum ICH???

„Nein, ich will nicht sitzen!! Mama, das ist langweilig…“, motzt Trotzki herum.

„Mama, ich hab Hunger!“, stimmt Quasselstrippe motzend ein, der sich wieder halbwegs auf dem Stuhl sitzend eingefunden hat.

„Wir haben doch gerade Pizza gegessen.“

„Ich hab trotzdem Hunger!“

„Ich hab jetzt nichts dabei, ich dachte wir kommen gleich dran.“ *schnauf-seufzer*

„Wie lange dauert das denn noch, Mama?“ *nervnervnerv*

„Ich will jetzt heim! Jetzt!“, motzt Trotzki von der Seite und hängt sich an meinen Arm, sodass er mich fast vom Stuhl reißt.

„Hör auf damit, Trotzki, lass das. Ich mag das nicht.“, ganz und gar nicht freundlich. Ich spüre langsam wie sich meine Geduld verabschiedet. Es ist mittlerweile schon deutlich nach 12 Uhr. Ich bin genervt!

Dann plötzlich steht Quasselstrippe auf, Trotzki hinterher. Lustiges Fangen im KVR, haha, wie hab ich gelacht. „Bleibt hier Kinder, nicht rumlaufen!“ OH – MEIN – GOTT! Die Jungs laufen durch die Stuhlreihen durch, rempeln Leute an. Quasselstrippes Hose sieht beim Laufen aus als hätte er reingebieselt. Böse Blicke strafen mich. „Entschuldigung“, murmele ich gequält lächelnd. Ich packe Trotzki am Arm, der ist noch leichter zu händeln. „Ihr bleibt jetzt hier sitzen! Und du auch, Quasselstrippe!“

Dann endlich: Unsere Termin-Nummer wird aufgerufen. Das Schlimmste ist überstanden! Dachte ich.

Da kommen keine guten Erinnerungen hoch…

Schlimmer geht immer

Ich ziehe beide Kinder an den Tisch, zu dem wir aufgerufen wurden. Der KVR-Mitarbeiter lässt sich die neuen Daten von mir mitteilen und muss nur noch das Foto von Quasselstrippe einscannen und als Aufkleber in den alten Pass kleben. Keine große Sache. Mittlerweile ist es 12:15 Uhr.

Direkt vor uns auf dem Tisch liegen verschiedene Kabel und eine Art Tablet, auf dem man als Erwachsener für seinen gültigen Ausweis mit einem Stift (der daneben liegt) unterschreiben kann.

Völlig unvermittelt greift Quasselstrippe danach. Auf einmal beginnt er sich, ja, nennen wir es „aufmüpfig“ zu benehmen und zudem mit schriller hoher Stimme zu sprechen.

Q: (mit schrillem, aufmüpfigem Ton) „Hee, das ist ja ein Tablet! Ich will jetzt Computerspielen!… Wie geht denn daaaaassssss???“, und wirbelt mit dem Tablet herum.

Ich: (stockt der Atem) „Leg das wieder hin!“ Ich reiße es ihm aus der Hand. „Das ist kein Computerspiel. Darauf kann man nur unterschreiben.“

Q: „Oooh, jaaaa! Dann will ich unterschreiben“, und greift nach dem Stift. Trotzki lacht und greift währenddessen nach einem Kabel.

Hey, was ist hier los? Wollen die mich fertig machen? Ich reiße Quasselstrippe den Stift aus der Hand, lege ihn wieder hin und nehme Trotzki das Kabel weg. „Lasst das sein!“ Doch Quasselstrippe ist schneller, greift auch nach den Kabeln und zieht daran. Diese kleinen Kinderfinger sind auch zu schnell! Ich kann gar nicht so schnell reagieren und verhindern. Zu viele Hände!! Es geht hin und her. „Lasst das jetzt liegen, nichts anfassen! Hört auf!! “ (Ich, jetzt definitiv auch schrill) 

KVR-Typ: „Äh ja, das wär besser, bitte liegen lassen.“

Trotzki sitzt auf meinem Schoß und lacht sich schon die ganze Zeit halb schlapp. Dadurch fühlt sich Quasselstrippe angespornt, noch mehr Unsinn zu treiben. Es ist schrecklich. Dem freundlichen KVR-Mitarbeiter stehen schon die Schweißperlen auf der Stirn. Er tippt, meines Erachtens, panisch auf seiner Tastatur herum und lässt mich dadurch wissen, dass er hofft, wir sind bald wieder verschwunden.

Doch dann geht Quasselstrippe auf Tuchfühlung.

Q: (schrill / schräg zum KVR-Mitarbeiter) „Was machst du da? Warum dauert das so lange? Kannst du dich nicht beeilen? Das dauert jetzt schon so lang!!“

Ich: (Wo ist das Loch? Wo ist es nur??) „Quasselstrippe, der nette Herr beeilt sich ja schon, jetzt sei bitte mal still. Und brav!“

Phhhh! Brav ist was für Anfänger! Quasselstrippe treibt es noch bunter, er steht auf, stellt sich direkt neben den KVR-Mitarbeiter und will neben ihm zugucken, was er macht – die Königsdisziplin, genannt „Treib den KVR-Mitarbeiter in die Flucht“.

Ich: (entsetzter Vorwurfston) „Quasselstrippe!! Komm wieder her!! Was soll das denn?! Das macht man doch nicht!“ Quasselstrippe verharrt kurz, bewegt sich dann aber langsam wieder auf seinen Stuhl zu. Jetzt – nur – keine – falsche – Bewegung.

Q: „Warum? Was macht der da, Mama? Warum braucht man das??“

Trotzki lacht stetig weiter. Ich halte seine Arme fest, die wieder nach dem Kabel greifen wollen.

Trotzki: (weinerlich) „Hey, lass mich los!“ Ich Dummkopf lasse ihn los. „Aber nichts anfassen!“

Da beginnt Trotzki plötzlich eine seltsame Fäkalien-Sprache zu sprechen, die auf nahrhaften Boden bei Quasselstrippe fällt.

Trotzki: „Das ist ein Pipi-Kacka-Kabel!!“ (*lachhalbtot*)

Q: (*lacht*) „Jahaaa! Pipi-Kacka-Kabel mit Pipi-Kacka-Haufen!!!“ Die beiden Brüder lachen als wären sie gerade aus der Irrenanstalt entflohen und hätten ihre Medikamente vergessen. Oder zu viel davon abbekommen.

Ich: (hilflos) „Jetzt hört auf! Ihr benehmt euch ja wie im Irrenhaus!“

Q: (lallt) „Im Irrenhaus?? Sind wir hier im Irrenhaus??!!“ *LachenderTrotzki*

Ich gebe auf. Der KVR-Mitarbeiter auch. Er steht auf und sagt: „Ich komme gleich wieder, ich hole nur schnell den Aufkleber für den Pass.“ (Anmerkung: Er joggt.)

Als wir kurz alleine sind, sage ich möglichst eindringlich zu den Kindern: „Was soll denn das hier? Ihr benehmt euch ja wie die Idioten! Wir sind gleich fertig, jetzt benehmt euch noch so lange!“

Der KVR-Mitarbeiter kommt (joggend) zurück, er drückt mir den fertigen Kinderreisepass in die Hand und ich bedanke mich. Die Kinder sind tatsächlich kurz ruhig.

Ich: (zum KVR-Mitarbeiter / hoffnungsvoll) „Es tut mir leid, dass sich meine Kinder gerade so aufgeführt haben… Ich denke, andere Kinder sind ja hier sicher auch mal so ungeduldig… Oder?!“

KVR-Typ: „Ähm, nein. Also ehrlich gesagt. Ihre Kinder waren bisher die schlimmsten!“

 

Schlimmer geht immer, in diesem Sinne…

Viele liebe Grüße

Eure perfekte Rabenmutter

 

P.S.: Und nicht vergessen: Nicht zur Nachahmung empfohlen! 😉

 

P.P.S.: Und in einem der nächsten Blogartikel erfahrt ihr dann: „Was geschah nach dem Besuch beim Amt…“

 

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