Immer diese Bieselei

Müssen Eure Kinder auch immer dann Pipi machen, wenn ihr unterwegs seid und es gerade überhaupt nicht passt? Und das, obwohl sie nur zehn Minuten vorher zuhause gepieselt haben? Es ist wirklich manchmal zum Verrücktwerden!

Einmachglas... oder vielleicht ein Reinmachglas?!?
Einmachglas… oder vielleicht ein Reinmachglas?!?

Es gibt nun mal Situationen, die sind einfach praktischer fürs Pipimachen und manche sind es weniger. Zwar stelle ich mich seelisch sowieso schon immer darauf ein, dass einer meiner Jungs mal muss, wenn wir unterwegs sind. Auch wenn ich beide IMMER nochmal auf die Toilette schicke, bevor wir losgehen oder losfahren.

„Ich muss aber gar nicht!!“ „Du gehst jetzt aber, sonst können wir nicht losfahren!“ „Ich muss aber nicht!“ „Du geht’s jetzt!!“ „Nein!“ „Doch!“ „Nein!“ „Doch! Sonst bleibst Du allein daheim!“ „NEEEEEIIIN!“

Pädagogisch absolut vorbildlich! So bin ich halt.

Nachdem wir also alle auf der Toilette waren… „Mama, es kam gar nix.“ „Egal, Hauptsache du hast es versucht.“ …können wir also losfahren. Zum Beispiel in den…

Supermarkt!

Je nachdem welchen Supermarkt oder welches Geschäft wir anpeilen, kenne ich natürlich auch schon diverse Notfall-Toiletten oder Notall-Büsche. Nicht immer ist die Antwort, die die Verkäuferin (mit Sicherheit kinderlose, aber sehr bemühte und freundlich lächelnde Verkäuferin) auf die Frage, ob es hier eine Kundentoilette gibt, eine mir willkommene.

„Nein, wir haben leider keine. Aber wenn Sie aus dem Supermarkt rausgehen, dann ist links nebenan so ein Treppenhaus und da gehen sie dann in den 3.Stock, da ist eine Arztpraxis. Vielleicht lassen die Ihr Kind ja auf die Toilette gehen, hm?!“

„Äh… ja, Treppenhaus… Arztpraxis… (ich blicke nach draußen und sehe einen Baum mit einem halben Quadratmeter Erde Drumherum) Yesss!! Danke!!“ Glücksmomente können so einfach sein.

Manchmal aber, da hilft auch kein Busch und auch kein Grünstreifen, es sei denn er befände sich mitten im Supermarkt. Oder noch besser direkt neben den Kassen. Denn würden die Kinder während des Einkaufs „müssen“, dann könnte ich ja den Einkaufswagen ganz unproblematisch stehen lassen, meine Handtasche packen und nach draußen einen Baum suchen. Aber nein. Mein Kind muss ganz plötzlich ganz dringend, wenn ich gerade die Hälfte meines Einkaufs auf das Fließband gelegt habe. Die Hälfte von ungefähr (gefühlten) 200 Sachen. Da gibt es kein Zurück mehr.

„Nein, Trotzki, Du musst jetzt nicht! Das kann nicht sein! Du warst doch zuhause gerade eben noch!“

„Ich muss aber soooo dringend!“ (Hüpf, zappel, hüpf,  zappel)

„Das geht jetzt nicht. Du siehst doch, dass ich gerade unsere Lebensmittel auf das Band lege. Ich muss erst bezahlen, dann können wir Pipi machen.“

„Ich halt’s aber nicht mehr aus!! Mama!!!“

Und wie immer in solchen Situationen hat man natürlich genau die langsamste Kasse gewählt. Der Kunde vor uns hat seine PIN-Nummer falsch eingegeben! Hat Gott denn kein Mitleid mit mir? Da spricht mich ein junger Mann von hinten an. „Äh, können Sie mich mal schnell vorlassen, ich hab nur eine Dose!“

Ganz schlechter Moment! GANZ SCHLECHT!

„Nein, das kann ich nicht! Mein Kind bieselt sich in die Hose, wenn ich nicht gleich fertig bin!! Ich habe es auch eilig!!“

Ganz schlechter Moment.

Im Augenwinkel nehme ich wahr, dass der junge Mann kopfschüttelnd irgendetwas vor sich hinmurmelt, seine Dose stehenlässt und nach draußen abzischt. Für das positive Image aller Mütter war ich gerade keine große Hilfe. Aber ich habe nun mal keine Lust auf nasse Hosen und Pipi-Geruch im Auto und auf dem Kindersitz!!

Schließlich schaffe ich es, die gekauften Sachen in Lichtgeschwindigkeit in den Einkaufswagen zu werfen und zur Tür hinauszuschieben. Na bravo, es nieselt auch noch. Aber ich will mich nicht beschweren, es könnte ja auch in Kübeln gießen. Wir finden einen Baum, zwar an einer großen Straße, aber egal, Hauptsache Baum und Trotzki kann sich erleichtern. Ich versuche, den Blicken der Leute auszuweichen und damit blöden Kommentaren zu entgehen. Aber ich schätze mal, dass sich momentan bei meinem Gesichtsausdruck eh keiner traut, was zu sagen.

Aber es hat sich gelohnt, wir haben es geschafft! Keine nasse Hose! Zwar sind nun die Lebensmittel im Einkaufswagen leicht angefeuchtet, aber die Hose ist trocken geblieben! Hurra!

 

Die Tipps anderer Mütter…

Aufgrund meiner Erlebnisse mit verschiedenen „Ich muss mal“-Situationen (nicht nur beim Einkaufen, auch im Stau, im Kasperl-Theater, in der U-Bahn, usw.) habe ich natürlich andere Mütter gefragt, ob das bei ihren Kindern genauso sei. Und zum Glück ist es auch so. Allerdings – vielleicht ist das auch nur Zufall – scheinen es Mädchen im Schnitt besser mit dem Timing hinzubekommen als Jungs. Zumindest ergab das meine nicht repräsentative Umfrage in meinem Freundeskreis.

Der Tipp einer Mutter war, immer ein Einmachglas in der Handtasche dabei zu haben. Ich kann mir nur noch nicht ganz konkret vorstellen, wie das dann abläuft, wenn eines ihrer Kinder im Supermarkt an der Kasse schnell mal muss. Oder in der S-Bahn. Oder in der Warteschlange vorm Kino. Aber man darf als Mutter nicht lange drüber nachdenken. Manchmal muss man den Dingen einfach ihren Lauf lassen.

Wechselkleidung mit dabei zu haben als äußerste Notfalllösung ist obligatorisch, da sind wir uns sicher alle einig. Wichtig aber ist, auch eine Plastiktüte mitzunehmen, denn ist mal was daneben gegangen, dann macht sich so eine nass gebieselte Jeans nicht so gut in der Handtasche.

Eine andere Mutter erzählte mir mal über eine Busfahrt mit ihren beiden Söhnen. Sie waren auf dem Weg in den Urlaub und natürlich schon auf der Autobahn – wo sonst. Kurzerhand entschlossen sie sich, die Wasserflasche gemeinschaftlich leer zu trinken, um Platz zu schaffen. Da ist man als kleiner Junge gegenüber Mädchen klar im Vorteil, schätze ich. Und meine Umfrage ergab, die wieder verschließbare Flasche ist eine gern genommene Alternative, wenn kein Klo in Sicht ist.

Ansonsten kann man mit sämtlichen Büschen und Bäumen (vor allem rund um Spielplätzen…) nur Mitleid haben. Ich schätze, dass das weit über eine normale Düngung hinausgeht, wobei mein Trotzki immer ganz glücklich ist, wenn er gerade wieder einen Baum „gegossen“ hat. Im Hochsommer sicher eine tolle Möglichkeit der „Bewässerung“…

Und welche Pipi-Geschichten habt ihr auf Lager?

5 Kommentare


  1. // Antworten

    Hallo. Ja, das mit dem Einmachglas habe ich schon ein paar Mal gelesen, allerdings würden meine Kinder mich wohl angucken als hätte ich einen Storch aufm Kopf.

    Im Allgemeinen sind wir mit unseren Kids (2 Jungs, 1 Mädchen) recht unkompliziert was „Ich muss auf Klo“ unterwegs angeht. Was muss das muss und überall wo es keinen stört bzw. keiner rein treten kann, ist es OK. Wer sich am Anblick stört wenn ein KIND seine Notdurft macht, der hat eh ein anderes Problem. Somit bringt es uns eigentlich nicht aus der Ruhe wenn eine(r) oder auch mal alle drei rufen „ich muss mal“. Ich glaube, es gibt kaum einen Grünstreifen, Gebüsch etc. auf unseren Wegen, die unsere Kinder nicht kennen. Ist halt so wenn man überall hin zu Fuß oder mit Bus&Bahn unterwegs ist.

    Bis zu jenem Tag, an dem mal wieder ein Einkauf bei dem Discounter mit dem großen „A“ anstand. Mittlerweile hatten wir alle 3 Mäuse windelfrei, allerdings waren und sind unsere Jungs bis heute nicht mit dem Stehpinkler-Gen gesegnet (worüber wir eigentlich nicht undankbar sind), aber 3 Kinder gleichzeitig zum sitzen über die Wiese abhalten geht nunmal schlecht, und weil der Kindergarten sich schon mit 3 weigerte, unserem Großen beim draußen im sitzen Pipi machen zu helfen, hat er sich eine eigene Technik ausgeknobelt: Er setzt sich mit dem Popo ganz runter, also ganz auf den Boden hin, und streckt halt die Beinchen nach vorne aus, damit die Hose nichts abbekommt. So klappt das Pipi machen im sitzen draußen auch wirklich prima (vorausgesetzt der Untergrund piekst nicht 😉 ). Der Poppes, der dabei nass wird, zählt als Kollateralschaden ;). Taschentuch richtet’s.
    Kompliziert wird es erst wenn es heißt „ich muss kacka“. Leider haben wir alles andere als „Heimsch…er“ *lach*. Auf Reisen ist das ein Segen. Wo befreundete Eltern von Verstopfungsdramen im Türkei-Urlaub berichteten, weil Kind eben nur auf dem heimischen Thron kann und will, geht es bei unseren auf jedem „Örtchen“. Nur leider eben auch dann wenn keines da ist. Mit nur einem windelfreien und „abhalten“ ja kein Problem, aber seit der Herr „alleine“ kann, möchte er eben auch alleine, eben auch draußen. Und seine Geschwister genauso.
    Aber nun erklär doch mal einem damals 4-Jährigen, dass er sich zum Pipi machen gerne mit dem Pöppes auf die Wiese setzen darf, für „AA machen“ das aber eher suboptimal ist… Ja, ich weiß das, der Popo wird ziemlich dreckig, noch dazu geht es total schwer, wenn es überhaupt geht – aber „egal, alleine machen“… Nundenn, wat mutt dat mutt, und ich war immer froh, dass wir immer ein diskretes Plätzchen dafür finden konnten.

    Bis zu jenem besagten Einkauf beim großen „A“. Bekanntermaßen haben alle diese Discounter ja keine Kundentoiletten und viele sind eben auch so unflexibel, einen nicht einmal mit kleinen Kindern aufs Mitarbeiterklo zu lassen. Nun gut, dann muss eben das Ende des Grünstreifens auf dem Parkplatz herhalten, tut mir ja furchtbar leid.
    Auch an diesem Tag wieder, „Papa, ich muss pipi“. Wenigstens klappt das Timing schon soweit dass wir unseren Einkauf in der Regel beieinander haben und schon auf dem Weg aus dem Laden sind. Also wieder Richtung Grünstreifen, Kind „freigemacht“ und sich hinsetzen lassen… Doch dann die Worte, die ich DA definitiv nie hören wollte „Ich muss auch kacka“.
    Kennt ihr den Moment, wenn euch schlagartig alle Schweißperlen im Gesicht auflaufen?
    „Nein, J….., nicht dein Ernst oder?“ „Doch, ich muss ganz dringend, ich kanns nicht mehr aushalten.“
    Ja super, du sitzt ja auch nur mit nacktem Popo völlig sichtbar auf dem Grünstreifen rum. Wer muss eigentlich dafür gehauen werden, einen Supermarktparkplatz ohne ein einziges auch nur zaghaftes Büschlein oder eine abgewandte Ecke zu planen?
    Aber was will man machen, Kind muss und ich weiß, wenn ich ihn jetzt aufhebe und versuche ihm zu sagen „das geht jetzt nicht“, kann ich die Sekunden auszählen, bis es in der Hose landet oder es wieder heißt „ich muss aber wirklich“. Half also nichts.
    Was folgte war „the same procedure as every time“ in diesem Fall. Kind sitzt da und drückt… und drückt… und drückt… und drückt… Ja, ich wiederhole es gern nochmal, „AA machen mit Pöppes auf dem Boden sitzend geht schwer, wenn überhaupt!“ Aber wenn die Alternative „es geht in die Hose“ heißt, weil so lange abhalten einfach mit 6 Jahren nicht mehr drin ist und Kind nicht in der Hocke kann ohne dass die Hose auch gleich hätte an bleiben können (weil danach genauso nass), dann hat man nicht mehr viel Auswahl.
    Den ersten parkenden Kunden, die amüsiert bzw. verständnisvoll rüber lächeln, lächelt man noch zurück. Den ungläubigen Blicken, wenn eben diese Kunden von ihrem Kurzeinkauf wieder raus kommen und man mit dem Kind immer noch unverändert da sitzt, dagegen dann nicht mehr so…
    „J….. komm, das AA will noch nicht, wir probieren es gleich nochmal“ – übersetzt: „Kind, du kannst überall (wo du nicht so auf dem Präsentierteller sitzt) AA machen so lange du willst, aber bitte lass uns hier verschwinden“. Aber nicht doch. Wat mutt dat mutt. „Doch, ich muss wirklich ganz doll, ich kanns nicht mehr einhalten“.. Oh lieber Gott, wenn es dich gibt, schenk meinem Kind seine Erleichterung.
    Und so drückte Kind weiter und ringt um seine Erleichterung, die einfach nicht kommen mag. Nichts übertrifft die stoische Ruhe eines Kindes in einem solchen Moment, ich hingegen wünschte mir immer sehnlicher das Loch zum drin versinken herbei. Mittlerweile war für Kind 2 und 3 schon genug Zeit, um ebenfalls mal Pipi zu machen, während Kind 1 seinem Ziel noch immer nicht näher gekommen war.
    Ich hetze unsere Kinder ja grundsätzlich nie beim Klogang, gerade weil ich ja weiß, dass es so sitzend lange dauern kann, aber 10 Minuten können in so einer Situation so verdammt langt sein…
    „Komm J….., drück ganz fest“ – „mach ich ja, aber AA kommt noch nicht, aber ich muss!“. Ja ich weiß, das machst du schon die ganze Zeit, aber vielleicht hilfts ja was. „Na los, nochmal… und nochmal…“. Ein aus dem Irrenhaus entlaufener hätte nicht schräger angeschaut werden können als ein Papa, der vor seinem halbnackt auf dem Gras sitzenden Kind sitzt und es immer wieder anfeuert, dass es drücken soll, während Frau und Geschwister daneben stehen und warten…
    Mittlerweile interessierten mich weder die ungläubigen Passantenblicke, noch die Uhrzeit mehr. Die beiden Geschwister spielten „ich sehe was was du nicht siehst“, als ein zunehmend bedröppelter Blick von Großkind und die Ansage, „…geht nicht, AA kommt nicht raus“, folgte. Na immerhin, „nur“ eine Viertelstunde und gefühlt eine Million ungläubige Blicke Parkplatz-Kunden. Die Einigung lautete dann auf einhalten so lange es irgend geht. Eine „volle“ Hose auf dem Nachhauseweg wäre das Letzte gewesen, was wir hätten gebrauchen können.
    Und was soll ich sagen: Zum ersten Mal schaffte es Großkind tatsächlich von „ich muss“ bis zur tatsächlichen Verrichtung bis nach Hause einzuhalten…

    Kennt ihr den Moment, wenn man sich sagt, „und warum konntest du das nicht gleich?“
    Aber was solls: Wir sind Eltern. Einfach geht anders – aber man hat die 3 besten und süßesten Gründe, über alle noch so peinlichen Situationen einfach nur drüberweg zu lächeln 🙂


    1. // Antworten

      Hallo,
      Danke für Deinen Kommentar, bzw. für Deine ziemlich ausführlichen Erfahrungen mit deinen drei Jungs. Bist Du ein Papa oder eine Mama? (Leider hattest Du vergessen, zu schreiben, wer Du bist – aber soweit ich das aus Deinem Bericht rauslesen konnte, bist Du wohl ein Papa.) Ja, da macht man schon was mit, mit so einer Rasselbande, nicht wahr? 🙂

      Liebe Grüße von der perfekten Rabenmutter (die ihren Blog zur Zeit rabenmütterlich behandelt…) und noch viel Freude (und spannende Erlebnisse…) mit Deinen Jungs!


      1. // Antworten

        Hallo und Danke für deinen netten Kommentar 🙂

        Hatte ich das vergessen mit rein zu schreiben? Peinlich.

        Ich bin ein glücklicher Papa :*)

        LG


        1. // Antworten

          🙂 Und ich muss mich entschuldigen, weil ich von Deinen drei Jungs geschrieben habe, dabei sind es ja 2 Jungs und 1 Mädchen!!!! 🙂
          Also noch viel Spaß mit Deiner Bande!! 🙂


          1. //

            Ach, alles gut 🙂
            Dir auch weiterhin viel Freude mit deiner Family und euch alles Gute und Gesundheit 🙂

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