Krieg im Kinderzimmer – Geschwisterstreit (Folge 1)

Wähle Deine Waffe, Bruder...
Wähle Deine Waffe, Bruder…

Zwei Jungs im Alter von zwei und fünf Jahren bedeuten manchmal einfach „Krieg im Kinderzimmer“… Zumindest ist das bei uns so. Erst neulich im Fasching gab es da eine Geschichte, die möchte ich Euch nicht vorenthalten. Und das war so…

Quasi Vorzeigekinder!

Quasselstrippe (5) wollte im Kindergarten beim Fasching als Pirat gehen. Soweit so gut. Quasselstrippe wünschte sich am allermeisten eine Piraten-Pistole, meinetwegen, die kostet nicht so viel und wir haben ja noch einen kleinen Trotzki (2), der mit Sicherheit spätestens nächstes Jahr auch als Pirat in den Fasching ziehen will. Noch begnügt er sich mit der Feuerwehr-Uniform, die Quasselstrippe letztes Jahr getragen hatte. Noch.
Es dauerte genau bis zu dem Zeitpunkt, als wir die Pistole aus dem bestellten Paket ausgepackt hatten, da wollte Trotzki auch plötzlich eine Pistole besitzen. Aber das war nicht das Erstaunliche. Erstaunlich war, dass der Große tatsächlich dem Kleinen die Pistole auch mal abgegeben hatte und ihn sogar hat schießen lassen. (Zur Erklärung: die Pistole macht beim Schießen eigentlich nur ein kleines „Klack“, man legt einen kleinen Hebel um und drückt dann den Auslöser).
Aber dieses „Klack“ scheint auch jeden halbwegs existierenden Vernunft-Schalter in den Köpfen kleiner Jungs umzulegen. Diese Pistole übte jedenfalls ungeglaubte magnetische Kräfte auf meine Kinder aus.

Krieg im Kinderzimmer
Krieg im Kinderzimmer

Es funktionierte also vorerst tatsächlich, dass Trotzki einmal „schoss“, dann die Pistole an den Großen wieder zurückgab, der ein paar Mal hintereinander „schoss“ (er hatte schließlich das Vorrecht, ihm gehört ja die Pistole…) und sie dann wieder an Trotzki zurückgab. Ich war stolz auf meine Kinder, dass sie so erwachsen mit diesem neuen Spielzeug umgingen, quasi Vorzeigekinder! Und stolz auf mich, eine Mami, die sich als Größte aller Kinder-Managerinnen herausstellte. Aber ich hatte ja nix anderes von meinen großartig erzogenen Kindern erwartet. Ich wusste es ganz tief in mir drinnen, irgendwann haben sie beide den Dreh raus, friedlich miteinander und mit ihrem Spielzeug umzugehen. Und jetzt ist es halt soweit. Ich bitte um Applaus!
Ich gehe also glückselig ins Schlafzimmer, um dort in Ruhe die Betten zu machen – beflügelt von meinem Stolz, der mich wie einen Heiligenschein umgab.
Und dann aus dem Nichts, urplötzlich lautes Geschrei! Aus dem Augenwinkel sehe ich Trotzki (lachend! Er findet sowas immer lustig…) mit hochgehaltener Pistole Richtung Bad rennen. Hinterher ein schreiendes weinendes Etwas, ich glaube, es war Quasselstrippe. Aber ich bin mir nicht sicher, alles ging so schnell. Ich – will gerade zum Intervenieren ansetzen – erstarre, als ich die Pistole an der Schlafzimmertür vorbeifliegen sehe. Gefolgt von Trotzki, laufend. Nicht fliegend. Quasselstrippe schreit irgendwas und wirft sich dann auf das Corpus Delicti. Also auf Trotzki.
Ich raus, ziehe die Kinder wie zähen Kaugummi auseinander und stelle den zweijährigen Trotzki zur Rede! Was er sich einbildet!? Dass wir doch ausgemacht hatten, dass sie sich mit der Pistole abwechseln, ob er mich verstanden hat, und dass er gefälligst lieb sein und brav sein soll! So! Stille.
Beide Kinder kucken mich an als würden sie nur Bahnhof verstehen. „Ich Stole haben!!!“, schreit Trotzki und schubst seinen großen Bruder zur Seite. „Nix mit Pistole!“, schreie ich. „Die Pistole kommt jetzt weg!!!“ „NEEEEIN!!!“, darin sind sie sich wieder einig. „Doch! Die kommt jetzt weg!“, und lege die Pistole in unerreichbare Höhen ab, während zwei kleine Wut-Kobolde um mich herum springen, lauthals schreien und auf den Boden stampfen. (Was denken sich da nur wieder die Nachbarn!)
„Das ist total unfair!“, wendet Quasselstrippe ein. „Ja, aber…“, nehme ich Anlauf. „Das ist total unfair, Mama! Das ist meine Pistole! Die habe ich geschenkt bekommen! Und außerdem hab ich überhaupt nix getan! Das war der da!“, und zeigt auf den kleinen heulenden Wut-Kobold neben sich. „Ja, aber…“ (Mist, Quasselstrippe hat verdammt gute Argumente! Dem muss ich entgegen halten!) „Ja, aber das ist jetzt so!“ „NEEEEEEIN!“ Das Geschrei geht weiter. Es muss eine Lösung her! Schnell!
„Okay, Kinder! Also entweder wir gehen jetzt auf den Spielplatz…“ „NEEEEEEIN!“ „…oder wir sehen uns die Sendung mit der Maus an!“ „JAAAAAA!“ Ich bin genial.
Ich kann gar nicht so schnell schauen, da sitzen die beiden Jungs auf dem Sofa. „Willst Du kuscheln?“ Trotzki hopst zu Quasselstrippe, beide nehmen sich in den Arm und lächeln sich an.
Meine Jungs. So sind sie. Ein Herz und eine Seele.

Puh, wieder mal alles richtig gemacht… 😉

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